Neun Tage ohne Buch

Was macht man, wenn man neun Tage nicht lesen kann? Einfach, weil der Kopf grippal äußerst verstimmt ist, keine fünf Minuten Konzentration verträgt und nur Häppchenkost verdauen mag? Ziellos surfen. Ja. Oder man lässt sich vorlesen – in abgemessenen Portionen. In meinem Fall beispielsweise zunächst vom MDR: „Grete Minde“ von Fontane (bei der Hälfte abgebrochen, zu oft eingeschlafen). Vom NDR: „Kultur à la carte“ – Michael Maar und die Faszination Literatur. Von BR2 Büchermagazin: Michael Maar über die Details in der Literatur (beide Sendungen als Appetithappen für die baldige Lektüre „Das violette Hündchen“).

Oder man folgt dem Rat von bingereader und schaut sich die Verfilmung von J. L. Carrs schönem Roman „A Month in the Country“ an (lohnend).

Oder man gibt Irmgard Keuns Exil-Roman „Nach Mitternacht“ (1937) eine zweite Chance – im Hörbuch. Beim ersten Versuch der Annäherung an Keuns Roman (Theateraufführung im Marstall in München) war ich nicht überzeugt. Die Inszenierung erschien mir zu wenig theatralisch. Viele Textpassagen wurden vorgelesen statt vorgespielt. Warum also nicht gleich alles vorlesen lassen? Noch dazu mit der wunderbaren Stimme von Camilla Renschke. Manchmal tragikomisch, oft tieftraurig.

Übrigens gibt’s in der ARD Audiothek auch den neuen Illies und den neuen Weidermann vorgelesen. Für alle, die demnächst krank sind und/oder nicht selbst lesen wollen. Beide Bücher definitiv empfehlenswert (siehe Blogbeiträge).

Unbedingt anhören: den Falter Bücher-Podcast: Petra Hartlieb spricht mit der unvergleichlichen Vea Kaiser über „Fabula Rasa“ (siehe Blogbeitrag).

Postkarte: vom Hanser Verlag, mitgenommen von der Münchner Bücherschau

Abgebildete Bücher, die nach Gesundung gelesen werden:
– Mopsa Sternheim, „Im Zeichen der Spinne“. Wallstein Verlag, 2025 (ihr einziger, lange verschollener expressionistischer Roman).
– Magdaléna Plazová, „Leben nach Kafka“. Aus dem Tschechischen von Kathrin Janka. Balaena Verlag, 2024 (über Felice Bauers Spuren in Amerika).
– Michael Maar, „Das violette Hündchen“. Große Literatur im Detail. Rowohlt, 2025.

2 Antworten

  1. Avatar von dj7o9

    Freue mich, dass dich der Film „A month in the country“ während der Erkältung etwas unterhalten konnte und hoffe, du bist wieder fit! Liebe Grüße, Sabine

    1. Avatar von Johanna Berger

      Fit bin ich nicht, aber wieder fähig, mehr als fünf Minuten zu lesen. 😊

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