Zwischendurch …

Kälte und Hitze, Licht und Dunkelheit – es war alles dabei im Januar. Ein paar schöne Bücher gelesen und beim enttäuschenden dauernd gefragt, ob ich es jetzt abbrechen soll. Weitergelesen, vielleicht kommt ja noch was.

Aber der Reihe nach. Die Weihnachtserkältungen und Influenza- und Covidfälle zogen sich noch bis in den Januar und machten familiäre Festlichkeiten unmöglich. Bitter. Dafür wuchs die Vorfreude auf die Geburtstagsreise in die Wärme, raus aus der nebligen Trübnis des bayerischen Winters. Neue Masken wurden angeschafft. Diesmal nicht zum Schutz vor Krankheiten, sondern für gute Sicht, natürlich Schnorchel dazu: für die bunten Fische, möglichst keine Hai-Einlagen.

Die Malediven enttäuschten nicht. Schön wars und trotz anstrengender Reise dorthin und zurück ein Erlebnis, eine tolle Erfahrung. Die Farben, die Vegetation, die Wärme, der Ozean.

Das passende Buch für den Indischen Ozean hatte ich mir mitgenommen: „The House of Doors“. Am liebsten wäre ich gleich nach Penang, wo die Geschichte spielt, weitergereist. Rezension hier.

Während neben mir gezeichnet und mit Wasserfarben Luft und Licht aufs Papier gebannt wurden, las ich von der Kunst und den weiblichen Modellen – beeindruckende und oft traurige kleine Geschichten von Armut und Ausbeutung: „Vor aller Augen“. Rezension hier.

Wieder zuhause in der grauen Suppe und mit einem ordentlichen Jetlag versorgt las ich in frühen, schlaflosen Morgenstunden Versöhnlicheres, obwohl die Welt Kopf stand: „Vor uns die Zeit“ von R. C. Sherriff, eine alte Geschichte über das Mutschöpfen in dem Lebensabschnitt, von dem unsere Wirtschaftsministerin jetzt behauptet, wir könnten ihn uns nicht mehr leisten. Auch zu diesem schönen Buch gibt es demnächst eine Rezension. Wer den Vorgänger („Zwei Wochen am Meer“) kennt, wird den Roman mögen.

Ganz weit weg von der Ansicht, die sich mir beim Lesen bot (Kokospalmen, Riesenflughunde, Geckos und Eidechsen, der Reiher, den wir Herbert tauften) das nächste Buch: „Kleine Schwächen“ von Megan Nolan. Ein Roman über irische Realität in den 80er und 90er Jahren in Waterford und London. Auch hier Armut, Ausbeutung. (Rezension demnächst).

Ich bin in England geblieben: „Tage des Lichts“ von Megan Hunter. Ein durchwachsenes Leseerlebnis. Rezension hier.

Auf den britischen Inseln gehts auch aktuell noch ein bisschen weiter, diesmal wieder in Irland: „The Woman behind the Door“ von Roddy Doyle, bei dem ich trotz Voranschreiten (immerhin S. 125) auf der Stelle trete. Gewalterfahrung, Alkoholmissbrauch, Armut. Ansätze von Auflehnung. Zwischendrin sehr witzige Dialoge. (Nachtrag: Endgültig abgebrochen!)

Was hatte die Kultur noch zu bieten? Ein Konzerterlebnis im Werksviertel: Der Cellist Steven Isserlis mit Mitgliedern des BRSO. Eindrucksvoll, trotz mit-tönender Klimaanlage. Wie schön wäre doch ein Konzertsaal, da, wo das Riesenrad jetzt steht!

Gestern gelesen: Der Schriftsteller Christoph Poschenrieder hat „die Schnauze voll“, schreibt nicht mehr und verdient sich sein Geld jetzt als Straßenbahnfahrer in München. Zeit, eines seiner Bücher zu lesen und auf den Linien 25 und 19 nach ihm Ausschau zu halten.

Jetzt: Hoffnung auf baldigen Frühling, schöne Bücher und einen Film „Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“.

„Ach diese Lücke! Diese entsetzliche Lücke, die ich hier in meinem Busen fühle!—Ich denke oft, wenn du sie nur einmal, nur einmal an dieses Herz drücken könntest, diese ganze Lücke würde ausgefüllt sein.“ (Goethe, „Die Leiden des jungen Werthers“, 19. Oktober)

Eine Antwort

  1. Avatar von Christoph

    Gestern erst erzählte der Schauspieler Shenja Lacher in der SZ, künftig (auch) als Altenpfleger arbeiten zu wollen. Hinter einer solchen Entscheidung stecken natürlich immer verschiedene persönliche Gründe. Trotzdem ist es ein Alarmsignal, wenn selbst relativ arrivierte Künstler darüber nachdenken, sich beruflich umzuorientieren.

    https://www.sueddeutsche.de/muenchen/shenja-lacher-schauspieler-altenpfleger-muenchen-mord-theater-li.3378319

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