Auf dem Cover von Daniel Mellems Roman „Einstein im Bade“ (Besprechung hier) wirbt Kristof Magnusson für das Buch des Schriftstellerkollegen. Grund genug für mich, das neueste Werk des Autors zu lesen, den ich bisher noch nicht kannte.
Statt Riesling und „Sauerkirschkuchen mit geschwungener Sahne“ in Bad Nauheim gibt es bei Magnusson Krimsekt und Piroggen in der russischen Botschaft in Rom und Negroni in Almaty/Kasachstan. Nicht weniger erfreuliche Kost.
Und auch die Leichtigkeit des Erzählens teilt er mit Mellem. Sein Sujet ist aber ein völlig anderes. Magnusson schreibt einen modernen Abenteuerroman. Fast möchte ich es ein Agentenmärchen nennen. Die Leserin freut sich an der großen Lust am Fabulieren, die aber nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern ganz konkret in der Zeit nach dem Fall der Mauer, als die Zukunft noch besser war als heute.
Ans Ende der Geschichte reist man mit leichtem Gepäck. Dem Protagonisten Jakob Dreiser reicht eine Sporttasche für die Flugreise ins Agentenabenteuer. Der deutsche Dichter trifft auf einer Gartenparty der russischen Botschaft in Rom den Geheimagenten Dieter Germeshausen. Der ist „Bundesbeamter im siebenundzwanzigsten Dienstjahr“ und wird im Jahr 1995 in einer Hotelbar „am Ende der Welt“ vergiftet – und das schon im ersten Satz des Romans.
Der Dichter, ein Bruder Leichtfuß mit einer Portion Naivität und einer Prise Felix Krull ausgestattet, hat viele Talente und ist dem Ernst des Lebens „in den letzten Jahren mit großem Erfolg aus dem Weg gegangen“. Seine Bekanntheit in Russland, die kommunikativen Fähigkeiten und die Tatsache, dass er des Russischen mächtig ist, machen ihn für den Agenten Germeshausen interessant. Sich selbst nimmt Dreiser nicht ganz so wichtig:
„Man kann ja auch eigentlich wenig gegen Gedichte haben – sie sind nicht laut, fesseln einen nicht drei Stunden auf einen unbequemen Theatersessel, und wenn man sie nicht versteht, macht es auch nichts – dafür sind sie ja viel zu schnell vorbei.“
„Künstler sind eigentlich perfekt für diesen Job. Und gesellig sind Sie auch noch.“ So wirbt Germeshausen den Dichter an. Dunkle Geschäfte werden eingefädelt, bei denen Dreiser eine bedeutende Rolle spielen soll. Und der stürzt sich aus Langeweile oder Abenteuerlust ins Agentenleben. Egal, ob beim Wein im römischen Lokal, mit dem Picknickkorb in der Antonov am Flughafen Almaty oder in der Dampfsauna in St. Petersburg.
Nach der Lektüre weiß man jedenfalls, wie man herausfindet, ob jemand für das Agentengeschäft geeignet ist. Bei Dreiser funktioniert das so: Er soll bei einer lockeren Unterhaltung einer Verehrerin seiner Dichtkunst Details aus deren Leben herauskitzeln:
„Ich möchte wissen, ob sie mal in Grönland war und wie ihr erstes Haustier hieß. Und wenn sie mal in Grönland war, wann und wo und so.“
Und außerdem, ob sie und ihr Mann ein Konto in Italien haben und bei welcher Bank …
Skurriles Personal bevölkert den Roman. Etwa die Ex-Diplomatengattin Dominique Fishbowl, die sich selbst als „versoffene alte Schachtel“ bezeichnet, aber dennoch weiß, was sie tut. Oder Francesca Aquatone, eine steinreiche italienische Erbin, die nicht nur auf ihrer römischen Dachterrasse sitzt und Negronis trinkt …
Amüsante Dialoge und überraschende Volten. Kein Thriller. Trotzdem spannend. Ein heiterer, intelligenter Unterhaltungsroman.
Vielen Dank für das Leseexemplar an den Klett-Cotta Verlag!
Bildhintergrund: Wikimedia Commons

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