Die erste Ausstellung: die Retrospektive zum Werk von Gustave Courbet im Leopold Museum. Es ist die erste Schau in Österreich, 130 Bilder aus dem Gesamtwerk sind zu sehen. Ein Highlight! Courbet war ein Meister des Realismus, Vorbild nicht nur für Cezanne. In seiner Heimat Frankreich galt er als Rebell, wandte sich gegen die akademische Salonmalerei und stellte in seinen Bildern auch die arbeitende Bevölkerung dar. Er war Mitglied der Pariser Commune, wurde zu Unrecht verurteilt, landete im Gefängnis und verbrachte seine letzten Jahre im Exil in der Schweiz. Das berühmte Gemälde vom „Ursprung des Lebens“ (1866), ist hinter Sicherheitsglas zu sehen. Martina Clavadetscher hat sich in ihrem sehr lesenswerten Buch „Vor aller Augen“ (Rezension hier) mit dem Bild bzw. dem Modell auseinandergesetzt und Constance Quéniaux selbst sprechen lassen:

„Diese Schöpfung ohne Kopf.
Diese Schöpfung von Oberschenkel bis Brust.
Die ehrlichste Schöpfung. Die Schöpfung, die niemand sehen durfte, weil sie offen aussprach, woher alle kamen. Oder wohin alle wollten. Eine mächtige Schöpfung, weil sie allein durch ihr Daliegen so viele Männer kränkte, sie in ihrem Stolz verletzte, weil sie erkannten, dass das Leben nie aus ihrer Quelle auftauchen wird.“
Im Ausstellungskatalog wird auch eine andere Sicht auf das Gemälde nahegelegt, die des „eurozentristischen, patriarchal geprägten Blick[s] auf den Akt“. Mit Clavadetscher im Hinterkopf kann die Betrachterin das mal vernachlässigen.

Zusammen mit Joanna Hiffernan ist Quéniaux auch auf dem überhaupt ersten Bild zu sehen, das lesbische Liebe so direkt zeigt: „Le Sommeil“ oder „Les deux amies“ (1866).
Dazu Clavadetscher:
„Wir gingen zu dritt aus, tranken Absinth in den Bars und endeten spätnachts oft in Gustaves Atelier, wo wir weitertranken, bis Gustave auf dem Fauteuil einschlief, während bei uns zwei Wachgebliebenen bald eins zum anderen führte.“
Ein Bild, das mir besonders gefallen hat, heißt: L’Àpres-midi à Ornans (1849) und zeigt ein Treffen mit Freunden. Ein einfacher Moment der Geselligkeit „erhoben zur Würde eines großformatigen Sujets“ (Katalog). Courbet beschreibt die Situation:
„Es war im Monat November, wir waren bei unserem Freund Cuénot; Marlet kam von der Jagd zurück, und wir hatten Promayet gebeten, vor meinem Vater Violine zu spielen.“
Am nächsten Tag ins nächste Museum: das MAK am Stubenring. Dort ist die fantastische Neuaufstellung von „Wien 1900“ zu bewundern. Wirklich eindrucksvoll gemacht! Möbel (ganze Zimmer), Stoffe, Kleider, Plakate, Designobjekte, dazu originelle Zeittafeln. Sehr sehenswert!

Margarete Schütte-Lihotsky: Raum für Caroline Neubacher
„1925 wird die Architektin Margarete Lihotsky mit der Gestaltung eines Ruheraums beauftragt. […] Indem sie den Großteil des Mobiliars in die Wandarchitektur integriert, gelingt es der Architektin, auf engstem Raum eine Schafnische, einen Toilettetisch, einen Schreibtisch, Schränke, Regale und verschiedene Sitzmöbel unterzubringen. […] Im selben Jahrzehnt, in dem die englische Schriftstellerin Virginia Woolf ihren Text „A Room of One’s Own“ schreibt, schafft Margarete Lihotsky mit diesem Zimmer einen privaten und eleganten Rückzugsraum …“ (Text: MAK)






Nicht weniger sehenswert die Fotoausstellung von Barbara Pflaum im MAK. Dass es dazu keinen Katalog gibt, empfand selbst der Praktikant an der Kasse als Mangel.




Nach dem Museumsbesuch (Bild: MAK Untergeschoss) dann ins Café Prückel gegenüber.


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