Johanna Sebauer: Das Gurkerl

Ich mag Essiggurken. Besonders, wenn sie knackig daherkommen und hälftig in einer reschen Salamisemmel ruhen. Und ganz besonders im Schwimmbad (dann als sogenannte Schwimmbadsemmel) oder am See. Bitte nicht als dünne Scheibe. Und nie am Meer. Da muss es Pain Bagnat sein.

In Österreich gibt es das Gurkerl gern mit Extrawurst, die wiederum es hier in Bayern nicht zu kaufen gibt. Genauso wie der Gurke wird auch der Semmel in Österreich ein zusätzliches „l“ spendiert. Sie firmiert als Semmerl.

Das Gurkerl in Johanna Sebauers Büchlein bekommt eine ganz große Bühne, ist allerdings nicht so putzig wie der Name andeutet. Vielmehr ist es „hundsgschissn“ und verspritzt wegen seiner Glitschigkeit im Prozess des Gegessenwerdens Essigwasser ins Auge eines Zeitungsredakteurs. Dies hat verheerende Auswirkungen. Schließlich ist Sommerloch und man empört sich gern. Kommentare, Kolumnen, Talkshows, Demos … Soll das Gurkerl verboten werden? Welche Rolle spielt es im gesamtwirtschaftlichen Rahmen? „Ein Gemüse nicht frei von problematischer Geschichte mit ihr eingewobenen Unterdrückungsmechanismen …“

Sebauer hat eine fröhliche Satire auf hiesige Empörungszyklen geschrieben. Ich habe die Autorin schon letztes Jahr beim Bachmannwettbewerb vortragen hören und mich auf das gedruckte Erzeugnis gefreut. Das Stündchen am Balkon hat sich rentiert. Die Illustrationen von Nikolaus Heidelbach passen sehr gut dazu.

Ein ideales Geschenkbuch für alle, die auf Social Media unterwegs sind und/oder Zeitung lesen.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar an den Dumont-Buchverlag!

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